SRF; 17.09.2013
 
Seit fünf Jahren werden im Thurgau Aronia-Beeren angepflanzt. In diesem Jahr wird die Ernte rund 25 Tonnen betragen. Und diese ist bereits verkauft.

Die Aronia-Beeren kommen ursprünglich aus dem Osten Nordamerikas. Erst 1834 gelangten sie via Russland nach Europa. In der Schweiz werden sie erst seit 2008 angebaut – derzeit auf einer Fläche von rund 35 Hektaren. In den kommenden fünf Jahren soll die Ernte auf 500 Tonnen anwachsen, sagt Jürg Weber, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Aronia und der Landi Hüttwilen, die den Vertrieb koordiniert, gegenüber der Sendung «Regionaljournal Ostschweiz» von Radio SRF1.

In diesem Jahr ist die Ernte bereits an die Biotta AG in Tägerwilen verkauft. Die Beeren verarbeitet die Thurella-Tochter zu Fruchtsaft. Doch die in der Schweiz angebauten Früchte reichen nur für die Hälfte der Saft-Produktion. Den Rest kauft das Unternehmen Biotta aus dem Ausland zu. «Doch wir sind zuversichtlich, dass wir schon bald den gesamten Bedarf aus der Schweiz decken können», sagt Clemens Rüttimann, Geschäftsführer der Biotta AG.

Die Aronia-Beeren sind reich an Vitaminen, Mineralien und Antioxidantien. Forscher um Sabine Kulling von der Universität Potsdam konnten 2008 einen positiven Effekt auf die Gesundheit bestätigen, wie das Team im Fachblatt «Planta Medica» festhielt. Weil die Aronia-Beere biologisch zu den Rosengewächsen gehört und damit als Wirtspflanze für den Feuerbrand-Erreger dient, wurde das Risiko von Experten der landwirtschaftlichen Beratungsstelle Arenenberg intensiv abgeklärt, sagt Jimmy Mariéthoz, Leiter Gemüse- und Beerenanbau.

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Die Beeren vom Aroniastrauch. Auf den ersten Blick könnte man sie mit der Heidelbeere verwechseln, aber die Aroniabeeren sind dünkler, zum Teil schon fast schwarz. Ursprünglich kommen sie aus dem Osten von Nordamerika. Über Russland haben sie vor knapp 200 Jahren den Weg nach Europa gefunden. In der Schweiz werden die Aroniabeeren aber erst seit 5 Jahren angepflanzt, vorallem im Kanton Schaffhausen und Thurgau – „und das ist eine Erfolgsgeschichte!“ – sagt Jürg Weber, der Geschäftsführer der IG-Aronia und Chef der Landi Hüttwilen.

„Wir haben dieses Jahr die erste Ernte die über 20 Tonnen kommt (ca. 23 – 24 Tonnen) und werden in 5 Jahren in der Grössenordnung von 500 Tonnen sein wenn alles nach Plan läuft.“

Um das Ziel zu erreichen brauche es aber noch viel mehr Anbaufläche. Die Aroniabeeren werden heute im Kanton Thurgau auf einer Fläche von 35 Hektaren angepflanzt – das entspricht rund 50 Fussballfelder. Damit es 500 Tonnen gibt braucht es also noch ein paar Aronie-Sträucher und das braucht auch Zeit.

„Ja die Kulturen brauchen natürlich drei bis 4 Jahren bis einen vollen Ertrag kommt. Es wurde laufend gesetzt in den letzten Jahren und darum werden die Erträge zunehmen um auch den Bedarf abdecken zu können.“

Grosser Bedarf hat die Biotta AG welche gleich die ganze Ernte in diesem Jahr aufgekauft hat. Bei der Biotta AG in Tägerwilen werden die Beeren mit einem schonenden Verfahren gepresst und zu einem Fruchtsaft verarbeitet. Clemens Rüttimann, der Geschäftsführer der Biotta AG betont, ihm sei es wichtig, dass nur Aroniabeeren aus biologischen Anbau verarbeitet werden.

„Ich denke es ist wichtig, dass weitere Umstellungen auf Bio-Betriebe erfolgen können. Wir suchen Bio-Ware und in diesem Bereich muss man dieser Entwicklung auch etwas Zeit geben bis wir eine 100% Abdeckung unseres Bedarfs haben können. Wir schätzen, dass wir dieses Jahr ca. 50% unseres Bedarfs mit einheimischen Früchten decken können“

Die Hälfte der Aroniabeeren kommt also aus der Schweiz und den Rest kauft Biotta im Ausland ein – vorallem aus der Ukraine sagt Clemens Rütimann.

Jimmy Mariethoz vom Gemüse- Beerenbau – und Beratungszentrum Arenenberg rechnet damit, dass sich die Ernte in den nächsten 2 Jahren verzehnfacht. Er glaubt sogar, dass die Aroniabeeren wichtiger werden könnten als die einheimischen Beeren.

„Die Aroniabeere kommt gerade hinter der Johannisbeere. Sie ist sehr schnell gewachsen und wenn wir noch das Potential anschauen wird sie sich wahrscheinlich noch vor die Brommbeere drängen“

Die Brommbeere überholen kann die Aroniabeere aber nur wenn sie nicht plötzlich krank wird. Zwar ist die Aronia-Pflanze sehr anpassungsfähig und extrem frostresistent, aber die Aronia gehört biologisch zu den Rosengewächs und könnte deswegen Feuerbrand bekommen. Das sei man sich aber bewusst und habe das Risiko gut abgeklärt, sagt Jimmy Mariethoz.

„Es bleibt natürlich immer ein Risiko, aber die Aroniapflanze ist sicherlich nicht die anfälligste Pflanze die wir haben gegen Feuerbrand“

Weil die Aroniabeeren recht herb schmecken werden sie eher selten frisch gegessen, sondern eher zu Konfi oder Fruchtsaft verarbeitet. Getrocknet schmeckt die Beere auch gut im Birchermüsli.