Berner Oberländer; 27.08.2014
Monika Neidhart

Die in Nordamerika beheimatete Aroniabeere fasst hierzulande gerade erst richtig Fuss. Die unbekannte Neue sorgt für herrlich dunkelrote Drinks und ist zudem gesund.

 

Mit einem Schuss Aroniasaft in die Eisteemischung beginnt ein Farbenspiel, das staunen lässt. Der tiefdunkelrote Aroniasaft dringt in die eher trüb-bräunliche Flüssigkeit ein und färbt sie bordeauxrot. Darüber setzt sich eine orange, klare Schicht ab. Mit einer Orangenscheibe am Glasrand ist der Drink ein Hingucker. Gleichzeitig ist er eine erfrischende und alkoholfreie Alternative für einen Apero. Und mit dem Staunen der Gäste folgen auch gleich die Fragen, um was für eine Beere es sich da handle. Herb-süsslicher Geschmack Aronia, auch Apfelbeere genannt, ist eine violette, fast schwarze erbsengrosse Beere. Sie ist wachsartig überzogen und gleicht den Heidelbeeren. Ab Mitte August bis Oktober ist sie reif und schmeckt frisch vom Strauch eher herb und leicht bitter. Sie eignet sich deshalb weniger für den Frischkonsum. Ihr kräftiges Aroma kommt aber sehr gut in Konfitüren, zum Beispiel in Kombination mit Äpfeln und Zimt, zur Geltung. Aus dem Saft entstehen erfrischende, fruchtige Gelees oder Drinks. Getrocknet können sie wie andere Dörrfrüchte (Weinbeeren, Cranberrys …) eingesetzt werden. Für Müesli oder in Muffins empfiehlt es sich, die Beeren vorher in Wasser einzulegen. Getrocknet schmecken sie angenehm, eher süss-säuerlich-herb. Vielleicht stutzt man beim ersten Probieren noch, dann aber ist der «Gluscht» auf das arttypische Aroma geweckt. Charakteristisch sind die Farbstoffe der Beere, die Anthocyane. Sie färben – auch stark verdünnt- Konfitüren, Gelees und Getränke bordeauxrot. Gleichzeitig sind sie wertvolle Antioxidantien, welche gegen freie Radikale wirken und so Zellen und Gewebe des Menschen schützen. Der gute Ruf des Rotweins beruht auf der Wirkung solcher Farbstoffe. Aronia allerdings enthält pro Gewichtseinheit rund 200-mal mehr davon. Auch die Heidelbeere übertrifft sie in dieser Hinsicht Täglich ein Gläschen Aroniasaft oder ein paar  trocknete Beeren im Müesli sollen die Durchblutung verbessern, die Verdauung normalisieren und bei inneren Entzündungen helfen. Interessant ist der natürliche Farbstoff auch für die Nahrungsmittelindustrie. Selbst bei hundertfacher Verdünnung ist die dunkelrote Farbe noch deutlich zu erkennen. Das heisst aber auch, dass Flecken von der frischen Beere und vom Saft zu vermeiden Inhaltlich wertvolle Frucht. Die Aroniabeere stammt ursprünglich aus Nordamerika. Dort diente sie den Indianern als Kraftnahrung und Heilmittel. In Russland und anderen Ländern des Ostens verbreitete sich die Beere zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In die Schweiz kam die Beere wohl durch Veiko Hellwig, einen Koch, der im Kanton Thurgau lebt. Er machte 2007 Versuche mit Aroniabeeren. Seine Apfelkonfitüre und diverse Gelees glückten. Darauf wurden erste Versuchsanlagen im Thurgau angelegt. Inzwischen besteht die IG Aronia aus über vierzig  Mitgliedern in den Kantonen Bern, Aargau, Schaffhausen, Solothurn, Thurgau und Zürich. Sie bewirtschaften auf über vierzig Hektaren 100 000 Aroniasträucher. Warum dieses grosse Interesse von Beerenbauern? Der Geschäftsführer der IG Aronia, Jürg Weber, begründet es so: «Die inhaltlich sehr wertvolle Frucht lässt sich gut in der Schweiz anbauen. Das steigende Kundenbedürfnis kann so auch aus einheimischer Ernte gedeckt werden und bringt der Landwirtschaft einen Nutzen.» Der Strauch ist sehr robust. Zurzeit sind keine Probleme bezüglich Schädlingen und Pilzen bekannt. Die Kultur eignet sich deshalb sehr gut für den biologischen Anbau. Bisher importiert einer der Hauptabnehmer dieser Beeren ist die Biotta AG in Tägerwilen. Die Gemüse- und Fruchtsaftherstellerin bezieht, wenn immer möglich, ihre Rohstoffe aus der Region. Aroniabeeren musste sie bisher aus Polen importieren. Ihr kam das Pionierprojekt der IG Aronia recht. Eva Liebelt von Biotta beschreibt den Weg der Frucht in die Flasche: «Die Beeren werden frisch gepflückt und dann zu uns gebracht. Hier kommen sie als Mus zerquetscht in den Dekanter, wo dann ein Grossteil des Safts entsteht. Der Rest kommt auf die Bandpresse, die wir extra für die Aroniaernte mieten. Anschliessend wird der Saft durch kurze, schonende Pasteurisation haltbar gemacht.» Im Handel angeboten wird sowohl reiner Aroniasaft, wie er für die Rezepte im nebenstehenden Kasten verwendet wurde, als auch Mischungen und Verfeinerungen mit Tee, Agavendicksaft der Acerola.