Schweizer Gärten; 01.09.2014

Die Aroniabeere strotzt nur so vor gesunden Inhaltsstoffen. Sie ist im Garten einfach anzubauen und hat mit ihren weissen Blüten und der kupferroten Herbstfärbung auch fürs Auge viel zu bieten. Wer der Versuchung nicht widerstehen kann und sich frisch ab Strauch eifrig eine Handvoll reifer Aroniabeeren in den Mund schiebt, verzieht erst einmal staunend das Gesicht. Statt mit der erwarteten Fruchtsüsse überrascht die Beere nämlich mit herbem Geschmack und bitterem. Die Pflanze deshalb aber zu verschmähen, wäre ein grosser Fehler und würde ihr nicht gerecht werden. Denn die Beeren strotzen nur so vor gesunden Inhaltsstoffen. Getrocknet oder zu Saft, Sirup und Konfitüre verarbeitet, schmeckt Aronia hervorragend. Die Apfelbeere (Aronia melanocarpa) stammt ursprünglich aus Nordamerika. Seit 1900 ist sie auch in Mittel- und Osteuropa präsent. Sie gehört zur Familie der Rosengewächse und ist mit dem Apfel und der Vogelbeere verwandt. Wie Letztere zählt sie zum Wildobst. Aronia, bis vor wenigen Jahren hierzulande weitgehend unbekannt, hält nach und nach Einzug in unsere Gärten. Immer mehr Bauernbetriebe entdecken den Anbau der gesundheitsfördernden Beere als Nischenproduktion.

Auf dem Hof von Brigitte und Hansueli Schmid im sanktgallischen Oberbüren wachsen seit einigen Jahren nebst anderen Spezialkulturen wie Holunder auch Aroniabeeren. In langen Reihen ausgepflanzt, wachsen auf einer Wiesenfläche von 2,5 ha über 5000 Pflanzen. Sie entwickelten sich prächtig und warfen bereits nach wenigen Kulturjahren über 8 t Ertrag ab.
MESSEN UND ERNTEN

Die Erntezeit beginnt Mitte August und dauert rund einen Monat. Bis zu sieben Leute lesen dann jeweils von Hand und bei trockenem Wetter pro Stunde 8 bis 9 kg Beeren ab. Wie bei den Trauben lässt sich der Reifegrad der Aroniabeeren in Oechslegrad messen. Erst wenn die 85er-Marke geknackt ist, kann die Ernte losgehen. Ein Drittel des Ertrags lässt Familie Schmid trocknen, aus zwei Dritteln entsteht Presssaft. Die Interessengemeinschaft Aronia Schweiz unterstützt ihre Mitglieder, zu denen auch die Schmids zählen, bei der Vermarktung der Früchte. Seit Kurzem zählt auch ein namhafter Ostschweizer Saftproduzent zu den Abnehmern.

SEHR GESUND

Die Vorteile von Aronia sieht Hansueli Schmid in der Robustheit der Pflanze: Sie benötigt nur minimale Pflege und wirft einen sehr hohen Ertrag ab. Ausserdem hat sie kaum je Schädlinge oder Krankheiten. Die Pflegemassnahmen beschränken sich aufs Ausmähen der Wiese rund um die Sträucher, insbesondere solange die Pflanzen noch jung sind. Im Winter schneidet der Landwirt hier und da etwas Altholz heraus, um den Neuaustrieb zu fördern. Im Frühling versorgt er die Sträucher mit Beerendünger. Seit die Schmids auf ihrem «Beeri-Hof» Aronia anbauen, trinken sie selber täglich vom Direktsaft. Und der Effekt sei fühlbar, findet Hansueli Schmid: «Meine <Batterien> halten länger und ich bin weniger oft erkältet.»

 

VORBEUGENDE WIRKUNG

In der Tat gilt Aronia als vielseitige Heilpflanze. Verschiedene Studien bestätigen ihre positive Wirkung. Sie weist, wie die meisten Wildobstgehölze, einen sehr hohen Anteil an wertvollen sekundären Pflanzenstoffen So soll sich der Verzehr von Aroniabeeren äusserst positiv auf den Blutzuckerspiegel sowie auf den Fettgehalt im Blut auswirken. Die enthaltene Süsse stammt vom Zuckeralkohol Sorbit. Dies macht die Beeren auch für Diabetiker interessant, da für die Verstoffwechselung von Sorbit kein Insulin nötig ist. Zudem sollen die Wunderbeeren entzündungshemmend sein, Leber und Magen schützen sowie insgesamt das Immunsystem stärken. Sie sind blutdruck- und cholesterinsenkend, und das enthaltene Pektin pflegt den Darm. Wem der naturreine Saft der Aroniabeere nicht so schmeckt, kann ihn mit einem süssen Fruchtsaft mischen. Alternativ dazu lassen sich die Wirkstoffeauch über die getrockneten Beeren aufnehmen. Diese werden im Mund zerkaut oder unters Frühstücksmüesli gemischt. Die empfohlene Tagesration liegt bei zehn bis zwölf Beeren.

BEEREN AUS BULGARIEN

Veiko Hellwig, Aronia-Fan der ersten Stunde, hat massgeblich zur Bekanntheit der schwarzblauen Beere in der Schweiz beigetragen. Er führt seit 2005 in der Ostschweiz ein kleines Unternehmen, das regionale

Nüsse und Wildfrüchte zu Spezialitäten  auf der Suche nach spannenden Früchten ist er auf Aronia gestossen, die er 2007 erstmals von einer Obstfachschule in Bulgarien einführen konnte. Sofort begeisterte ihn die unbekannte Beere. Pur gegessen fand er sie zwar nur bedingt überzeugend, dafür aber umso idealer für die Weiterverarbeitung.

GROSSES POTENZIAL

Zu Veiko Hellwigs Innovationen zählt ein pinkfarbener Aronia-Senf mit Beerenstückchen sowie Konfitüren aus Aronia mit Kornelkirschen und Aronia mit Äpfeln. Hellwig begann sodann, den Aronia-Anbau in der Schweiz zu fördern, wobei er vom landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg unterstützt wurde. 2009 resultierte aus seinen Bemühungen die IG Aronia Schweiz. Veiko Hellwig: «Aronia ist eine Beere, die als Nutz-, Zier- und Heilpflanze ein noch nicht annähernd erforschtes Potenzial hat. Jeder kann sie vor der eigenen Haustür kultivieren. Sie bedeutet für mich grosse Freude und Leidenschaft.» Hellwig ist überzeugt, dass jetzt die Zeit der Aronia gekommen ist, denn die Leute seien aktuell gesundheitsbewusster.

FARBEN IM HERBST

Als wären die genannten Heilwirkungen von Aronia nicht schon genug, gibt es noch mehr Positives zu berichten. Denn die Pflanze ist nicht nur gesund, sondern im Garten auch ausnehmend schön anzusehen. Im Mai öffnet sie ihre strahlend weissen Blütendolden, kurz darauf bilden sich die dekorativen, dunkel glänzenden Kaum sind sie geerntet, setzt auch schon die Herbstfärbung ein, und die Apfelbeere verabschiedet sich mit leuchtendem Orangerot in den Winter. Bevorzugter Standort ist ein relativ feuchter Boden an einem sonnigen bis halbschattigen Plätzchen.

FÜR RAUE LAGEN

Der Strauch wächst maximal 2 m hoch und kann entweder als Solitär oder als Hecke zum Einsatz kommen. Besonders bewährt hat sich die finnische Kultursorte `Viking‘, die äusserst widerstandsfähig und wuchsfreudig ist. Ideale Pflanzzeit ist in den Monaten Oktober und November sowie von März bis April. Ab dem fünften Standjahr empfiehlt es sich, mit einem Verjüngungsschnitt das Altholz zu entfernen. Die hohe Frosthärte macht die Apfel- Wildbeere auch für raue Standorte sowie für Höhenlagen interessant. Einziger Wermutstropfen bleibt der bittere Geschmack der Früchte. Doch weiss man erst einmal, wie viel Gutes in der Beere steckt, so lässt sich der Geschmack durchaus als «bittersüss» bezeichnen und das klingt doch schon viel besser!

IG Aronia Schweiz

Die 2009 gegründete Interessengemeinschaft Aronia Schweiz hat zum Ziel, den Bekanntheitsgrad und Anbau der Frucht zu fördern und zu erhöhen. Zu den Mitgliedern zählen Produzenten, Baumschulen sowie Verarbeiter, die den Verein zum Wissensaustauch und zur Vernetzung nutzen. Die IG wird durch das Landwirtschaftliche Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg unterstützt.